Kaiserschmarrn – Mein Film zwischen Lederhose und Lustkino
Es gibt Projekte, die entstehen aus einem Pitch. Und es gibt Projekte, die entstehen, weil man beim dritten Bier am Wörthersee sitzt und jemand sagt: Wusstest du, dass hier früher Heimatfilme und Pornos parallel gedreht wurden? Teilweise von denselben Produzenten?
Kaiserschmarrn war so ein Projekt. Daniel Krauss und ich hatten 2009 zusammen die Zuckerfilm GmbH gegründet, erst in Berlin, dann auf dem Bavaria-Gelände in Grünwald. Unser erster Spielfilm Wo es weh tut entstand in Mombasa. Für den zweiten wollten wir näher ran – ans deutsche Fernsehgeschäft, an seine Mechanismen, seine Eitelkeiten. Und an den Wörthersee.
Die Idee
Die historische Überschneidung von Heimatfilm und Softporno am Wörthersee ist kein Witz. In den Siebzigern und Achtzigern gab es Produzenten, die beides gemacht haben. Und es gab Schauspieler – heute durchaus bekannt –, die ihre Karriere mit genau diesen Filmen begonnen haben. Es gab diese Berührungspunkte. Daniel und sein Co-Autor Lasse Nolte haben daraus eine Verwechslungskomödie gebaut.
Meine Figur Alex Gaul träumt von Shakespeare, vom Globe Theatre, von King Lear. Stattdessen steht er am Set billiger Erotikfilme. Nicht aus Leidenschaft, sondern weil sonst niemand anruft. Als seine schwerkranke Großmutter den Wunsch äußert, ihn einmal im Fernsehen zu sehen, schlägt er den Heimatfilmstar Zacharias Zucker k.o. – seinen Doppelgänger – und nimmt dessen Platz ein.
Ich spiele beide.
Die Doppelrolle
Alex und Zacharias sind zwei Seiten derselben Medaille. Alex ist naiv, warmherzig, ein bisschen verloren. Zacharias ist ein aufgeblasener Despot in Lederhose, der hinter seiner Sonnenbrille jeden terrorisiert, der ihm zu nahe kommt. Beide zu spielen war das, was mich an dem Projekt am meisten gereizt hat. Die Frage, wie weit diese zwei Figuren auseinanderliegen und wo sie sich trotzdem berühren.
Ich wollte, dass man bei Zacharias hinter der ganzen Aufgeblasenheit auch die Leere spürt. Und bei Alex hinter der Naivität den Ehrgeiz.
Am Set
Wir haben im Herbst 2010 in München und am Wörthersee gedreht. 30 Drehtage. Daniel, Franz Meiller und ich haben produziert. Also morgens um sechs in die Maske und abends um elf noch Dispositionen durchgehen. Aber genau so wollte ich arbeiten.
Das Ensemble war großartig: Gerit Kling, Heinrich Schafmeister, Hannes Jaenicke, Grit Boettcher, Ilja Richter, Ottfried Fischer, Collien Ulmen-Fernandes. Die meisten haben sofort verstanden, worauf wir hinauswollten – eine Satire, die das eigene Geschäft aufs Korn nimmt. Das braucht Leute, die über sich selbst lachen können. Und die hatten wir.
Visuell hat Kameramann Nicu Mihailescu den Film in übersättigte Farben und einen markanten Rotstich getaucht. Die alten Wörthersee-Filme hatten diese verlogene Postkartenästhetik. Wir wollten das aufgreifen und so weit übertreiben, bis es kippt.
Der Kern
Was mich an dem Stoff interessiert hat, war eine Beobachtung, die jeder kennt, der in dieser Branche arbeitet: Oberfläche und Wahrheit stimmen selten überein. Man sitzt bei Empfängen neben Leuten, die einem ins Gesicht lächeln und hinterm Rücken das Messer wetzen. Und man trifft Leute an Orten, wo man sie nicht erwartet, die einfach anständig sind.
Im Film zeigt sich das so: Beim Heimatfilm regiert hinter der Fassade aus Alpenpanorama und heiler Welt die nackte Bosheit. Machtspiele, Demütigungen, Intrigen. Beim Pornodreh dagegen ist die Atmosphäre kollegial, fast familiär. Die vermeintlich schmutzige Branche erweist sich als der menschlichere Ort.
Diese Umkehrung war der Witz. Nicht die Verwechslung.
Kinostart
Am 31. Oktober 2013 kam Kaiserschmarrn in die Kinos. Daniel und Lasse hatten bewusst verschiedene Humorebenen gemischt – vom Derben bis zum Feinsinnigen. Das war für das deutsche Kino ungewöhnlich. Eine deutsch-österreichische Independent-Produktion, die Heimatfilm und Erotikbranche gleichermaßen aufs Korn nimmt, mit einem Cast aus der ersten Reihe des deutschen Fernsehens. Diese Mischung gab es so vorher nicht.
Was ich heute mache
Seit Kaiserschmarrn hat sich mein Schwerpunkt verschoben. Neben Film- und Fernsehproduktionen entwickle ich Live-Formate, die das Publikum direkt einbeziehen. Das Pater Brown Live-Hörspiel ist das aktuellste davon: Wanja Mues und ich bringen G.K. Chesterton auf die Bühne – mit Live-Vertonung, Beatboxer und Interaktion mit dem Publikum. Kein Heimatfilm. Aber auch kein geschlossener Theaterraum.
Mehr Informationen unter paterbrown.com.