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Kategorie: Kino & TV
Verfasst vor 2 Jahren von Antoine Monot, Jr.
Während in Berlin die LOLAS im Rahmen des Deutschen Filmpreises vergeben wurden, war ich in Benin, Afrika, und habe ein LOLA Festival durchgeführt. Es fing mit vielen Unwägbarkeiten an: Der Vulkan, dessen Namen nicht mal Korrespondenten des öffentlichen Fernsehens aussprechen konnten, verhagelte den Hinflug – und ich kam mit einer 3-tägigen Verspätung in Cotonou an.
Es war nicht mein erster Besuch in Afrika, und doch war er ganz anders als der vorherige. Wir produzierten fast zwei Monate in Kenia unseren Spielfilm SLOWPLAY – und was ich dort zu sehen bekam, war vor allem Armut. Hier fand ich diese Armut ebenfalls vor, aber ich hatte Kontakt mit einer breiten gebildeten Schicht von Beninern. Dies mag dem Umstand geschuldet sein, dass ich diesmal nicht auf eigene Faust gereist bin, sondern im geschützten diplomatischen Rahmen. Aber diese Menschen zu sehen, die studiert und willens sind, ihr Leben zu meistern, ihre Situation zu verändern, das hat mich tief beeindruckt.
Die Deutsche Filmakademie organisierte, zusammen mit der Deutschen Botschaft und vielen Partnern, die „Semaine culturelles Allemandes“. Und ich durfte dort den deutschen Film repräsentieren. Eingeladen war eine Auswahl der nominierten Filme für die LOLA 2010. Wir zeigten von WÜSTENBLUME über DAS WEISSE BAND bis hin zu VORSTADTKROKODILE eine breite Auswahl.
Darüber hinaus durfte ich einen Tag lang beninische Schauspieler und Regisseure unterrichten. Das war eine ebenso unglaubliche Erfahrung. Benins Nachbarland Nigeria hat eine aktive, prosperierende und außergewöhnlich große Film- und Fernsehlandschaft – in Benin ist diese jetzt gerade im Aufbau begriffen. Aber, und genau das war die unglaubliche Erfahrung, sie knabbern an den gleichen Problemen wie wir: Die Schauspieler fragen sich, wie sie am Set sichtbar machen können, dass Schauspieler auch manchmal ein – wohlgemerkt innerliches – Objektiv wechseln müssen, um die gewünschte Leistung zu erbringen. Die Regisseure stellten mir die gleichen Fragen wie die Studenten der HFF München: Wie bringe ich Schauspieler dazu, dies und das zu tun. Und zwar so, dass es am Schluss auch noch wahrhaftig wird?
Ich glaube, dass dieses Seminar – hier sehr schön Atelier genannt – mit die spannendste Erfahrung war, die ich seit langem hatte. Ich zeigte den Teilnehmern dann Fatih Akins Film SOUL KITCHEN, der französisch untertitelt war. Und wissen Sie was? Diese Filmschaffenden, die in der Regel noch nie ihr Land, geschweige denn ihren Kontinent verlassen hatten, die weder Hamburg kennen noch Deutschland, diese Menschen lachten an genau den Stellen, an denen es der Film verlangt. Das war eine Erfahrung, die mir das Herz aufgehen ließ.
Im Anschluss analysierten wir gemeinsam vor allem das Spiel. Und es sind zwei Fragen, die mir im Kopf geblieben sind: Wie mache ich einen Film, der Humor und die Tragik betreffend, so universell ist wie am Beispiel von SOUL KITCHEN gerade erlebt? Und die andere Frage, die aber nicht von allen Teilnehmern geteilt wurde, war: Ist ihr Leben so schnell wie in diesem Film? Leben Sie in einem solchen Rhythmus?
Die Präsentation der nominierten LOLA-Filme verlief spannend und eindrucksvoll. Neben meiner Präsentation der Deutschen Filmakademie versuchte ich dem Publikum das deutsche Filmschaffen und vor allem die präsentierten Filme näher zu bringen.
Auch wenn ich der diesjährigen Preisverleihung in Berlin fernbleiben musste – und jeder, der mich kennt weiß, wie schwer es mir fällt, kostenlose Getränke und Essen abzulehnen – es war eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Der kulturelle Austausch zwischen dem deutschen Film und der Welt sollte weitergeführt werden. Unbedingt.
Erschienen im Extrablatt, dem Newsletter der Deutschen Filmakademie am 11. Mai 2010
Verfasst: am Freitag den, 14. Mai 2010 um 02:48:51 Uhr
Autor: Antoine Monot, Jr.
Tags:
Film ,
Leben ,
Schauspieler ,
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